Richtig lüften: Stoßlüften statt Kippfenster, so geht's
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Thermostat herunterdrehen
Dreh den Thermostat im Raum auf die kleinste Stufe oder das Sternchen. Sonst meldet der Fühler kalte Luft und das Ventil heizt mit voller Kraft zum Fenster hinaus.
Fenster ganz öffnen
Fenster weit aufmachen, nicht kippen. Wenn möglich, gleichzeitig ein Fenster auf der gegenüberliegenden Seite öffnen und die Innentüren dazwischen auf, damit Durchzug entsteht.
Nach Jahreszeit lüften
Im Winter reichen rund 5 Minuten, im März und November etwa 10, im Frühjahr und Herbst bis 20, im Hochsommer bis 30 Minuten. Je kälter es draußen ist, desto kürzer.
Fenster schließen, Thermostat zurück
Fenster zu, Thermostat wieder auf die gewohnte Stufe. Weil die Lüftung kurz war, sind die Wände kaum ausgekühlt.
Mehrmals am Tag wiederholen
Mindestens drei- bis viermal täglich lüften: morgens nach dem Aufstehen, tagsüber in genutzten Räumen, abends vor dem Schlafengehen. Nach Duschen und Kochen sofort.
Warum Lüften überhaupt sein muss
In einer bewohnten Wohnung entsteht ständig Wasserdampf: beim Atmen, Duschen, Kochen und Wäschetrocknen. Ein Vier-Personen-Haushalt muss laut co2online täglich bis zu 12 Liter Feuchtigkeit loswerden. Bleibt sie drin, schlägt sie sich an den kältesten Stellen nieder, also an Außenwänden, Fensterlaibungen und hinter Schränken. Dort wächst dann irgendwann Schimmel.
Lüften tauscht feuchte Innenluft gegen trockene Außenluft. Das funktioniert, weil kalte Luft viel weniger Wasser tragen kann als warme. Die Verbraucherzentrale nennt dazu Zahlen: Bei 0 Grad passen knapp 5 Gramm Wasser in einen Kubikmeter Luft, bei 20 Grad gut 17 Gramm. Holst du kalte Luft herein und heizt sie auf, kann sie mehr als das Dreifache an Feuchtigkeit aufnehmen, bevor sie beim nächsten Lüften wieder rausfliegt.
Wie lange lüften? Die Dauer nach Jahreszeit
Je kälter es draußen ist, desto schneller läuft der Luftaustausch. Deshalb reicht im Winter eine kurze Lüftung, im Sommer dauert es länger. co2online gibt diese Richtwerte fürs Stoßlüften an:
| Monate | Dauer pro Lüftung |
|---|---|
| Dezember bis Februar | ca. 5 Minuten |
| März und November | ca. 10 Minuten |
| April und September | ca. 15 Minuten |
| Mai und Oktober | ca. 20 Minuten |
| Juni bis August | ca. 30 Minuten |
Die Verbraucherzentrale kommt auf ähnliche Werte: bei Kälte oder Wind 3 bis 5 Minuten, im Frühjahr und Herbst 10 bis 20 Minuten. Die Zahlen sind Richtwerte. Das Umweltbundesamt betont, dass die nötige Dauer von Temperatur und Wind abhängt. Ziel ist viel Luftaustausch in kurzer Zeit, ohne dass die Wände stark auskühlen.
Wie oft lüften?
Die Empfehlungen liegen zwischen zwei- bis dreimal (Umweltbundesamt für die kalte Jahreszeit) und drei- bis viermal täglich (co2online, Verbraucherzentrale). Der Deutsche Mieterbund schlägt einen einfachen Rhythmus vor: morgens einmal komplett durchlüften, vormittags und nachmittags die genutzten Räume, abends noch einmal alles.
Dazu kommen die Feuchtespitzen. Nach dem Duschen und während oder direkt nach dem Kochen empfiehlt das Umweltbundesamt, 5 bis 10 Minuten weit zu öffnen.
Das Kippfenster: bequem, aber teuer
Ein dauerhaft gekipptes Fenster ist die Lüftungsvariante, die sich gut anfühlt und wenig bringt. co2online beschreibt den Luftaustausch dabei als gering. Das Umweltbundesamt warnt, dass Dauerkippen Energieverbrauch und Heizkosten drastisch erhöht und die Wandflächen um das Fenster auskühlt. Genau dort bildet sich dann Schimmel. Du bezahlst also dafür, die Stelle zu kühlen, an der Schimmel am liebsten wächst.
Ausnahme laut Verbraucherzentrale: Nach Duschen oder Kochen kann das Fenster eine Zeit lang gekippt bleiben, bis die Luftfeuchte dauerhaft unter 50 Prozent gefallen ist. Danach wieder zu.
Was mit dem Thermostat passiert
Der Thermostat regelt nach der Temperatur, die er misst. Strömt beim Lüften kalte Luft darüber, öffnet er das Ventil voll und heizt mit maximaler Leistung zum Fenster hinaus. Das Umweltbundesamt rät deshalb, bei abgedrehter Heizung zu lüften, co2online empfiehlt, die Thermostate vorher zu drosseln und danach wieder aufzudrehen. Am einfachsten drehst du vor dem Lüften auf das Sternchen und hinterher auf die gewohnte Stufe. Was die einzelnen Stufen bedeuten, steht im Artikel zu den Thermostat-Stufen.
Elektronische Thermostate haben laut co2online oft eine Lüftenfunktion, die ein offenes Fenster erkennt und die Heizung selbst herunterregelt.
Was du tun kannst und was der Vermieter tun muss
Lüften ist deine Sache, den Vermieter kannst du dafür nicht einspannen. Der Deutsche Mieterbund stellt klar, dass Schimmel grundsätzlich ein Mangel der Mietsache ist, den der Vermieter beseitigen muss. Anders kann es aussehen, wenn der Schimmel durch zu wenig Heizen und Lüften entstanden ist. Wer am Ende verantwortlich ist, ist umstritten und hängt vom Einzelfall ab, etwa von der Bausubstanz.
Wie hoch die Luftfeuchte bei dir tatsächlich ist, zeigt ein Hygrometer. Mehr dazu im Artikel zur Luftfeuchtigkeit in der Wohnung. Findest du trotz regelmäßigem Lüften Schimmel, melde ihn dem Vermieter schriftlich mit Fotos und Datum. Bei Streit über die Ursache hilft der örtliche Mieterverein oder die Verbraucherzentrale.
Häufige Fragen
Ist ein gekipptes Fenster besser als gar nicht lüften?
Für die Luft kaum, für die Heizkosten deutlich schlechter. Laut co2online bringt ein dauerhaft gekipptes Fenster nur wenig Luftaustausch. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass dabei die Wand um das Fenster auskühlt und Schimmel begünstigt. Kurz ganz auf ist in fast jeder Hinsicht besser.
Soll ich auch lüften, wenn es draußen regnet?
Ja. Kalte Außenluft kann nur wenig Wasser tragen, auch bei Regen. Nach der Verbraucherzentrale nimmt ein Kubikmeter Luft bei 0 Grad höchstens knapp 5 Gramm Wasser auf, bei 20 Grad gut 17 Gramm. Die kalte, feuchte Luft wird drinnen warm und kann dann wieder Feuchtigkeit aus dem Raum aufnehmen.
Wie lüfte ich das Schlafzimmer richtig?
Das Umweltbundesamt empfiehlt, abends vor dem Schlafengehen und morgens nach dem Aufstehen kräftig stoßzulüften, morgens 5 bis 10 Minuten mit weit offenem Fenster. Nachts gibt ein schlafender Erwachsener laut co2online bis zu einen Liter Feuchtigkeit ab. Die muss morgens raus.
Muss ich lüften, wenn ich den ganzen Tag nicht zu Hause bin?
Morgens vor dem Gehen und abends nach dem Heimkommen gründlich stoßlüften. Wer nicht da ist, kocht und duscht nicht, dann entsteht auch weniger Feuchtigkeit. Ein Hygrometer zeigt dir, ob die Luftfeuchte trotzdem zu hoch bleibt.
Quellen
Passt dazu
- Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: Welche Werte sind richtig?Ideal sind 40 bis 60 Prozent, im Altbau im Winter unter 50. Ab wann Schimmel droht, wie du mit dem Hygrometer misst und was bei zu hohen Werten hilft.
- Thermostat-Stufen: Was die Zahlen 1 bis 5 wirklich bedeutenStufe 3 sind etwa 20 Grad, jede Stufe macht rund 4 Grad aus. Tabelle für alle Stufen, passende Einstellung je Zimmer und warum Stufe 5 nicht schneller heizt.
- Nachtabsenkung der Heizung: Was du als Mieter selbst regelstNachts reichen etwa 18 Grad, unter 16 Grad steigt das Schimmelrisiko. So senkst du am Thermostat selbst ab und weißt, was der Vermieter zentral darf.
- Optimale Raumtemperatur: Wie warm welches Zimmer sein sollteWohnzimmer 20 Grad, Küche 18, Schlafzimmer 16 bis 18, Bad bis 24 Grad. Die Richtwerte je Raum, die Untergrenze gegen Schimmel und was der Vermieter schuldet.