Wohnung besser heizen

Taupunkt berechnen: Wann wird deine Wand nass?

Kurz und knappDer Taupunkt ist die Temperatur, ab der abgekühlte Raumluft Wasser abgibt. Bei 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchte liegt er bei 9,3 Grad: Ist eine Wand oder Fensterlaibung kälter, wird sie nass. Schimmel kann laut Verbraucherzentrale schon ab etwa 70 bis 80 Prozent Feuchte direkt an der Wand wachsen, im Beispiel also bei Wandtemperaturen unter etwa 14,7 bis 12,6 Grad.
Taupunkt
Wand wird kritisch (70 %) unter
Luftfeuchte an der Wand

Trag die Temperatur einer Außenwand oder Fensterlaibung ein, um sie zu prüfen.

So rechnet der Rechner

Grundlage ist die Magnus-Formel. Sie gibt den Sättigungsdampfdruck E an, also den höchsten Wasserdampfdruck, den Luft bei einer Temperatur t (in °C) tragen kann. Der Rechner verwendet die Koeffizienten aus der Praktikumsanleitung Hygrometrie der Goethe-Universität Frankfurt:

E(t) = 6,112 hPa · exp(17,62 · t / (243,12 °C + t))

Laut dieser Anleitung gibt die Formel zwischen 0 und 40 Grad die exakten Werte genauer als 0,3 Prozent wieder. Deshalb nimmt der Rechner für Raum und Wand nur Temperaturen in diesem Bereich an. Liegt der errechnete Taupunkt bei sehr trockener Luft unter 0 Grad, ist er nur eine Näherung.

  1. Tatsächlicher Dampfdruck im Raum: e = relative Luftfeuchte / 100 · E(Raumtemperatur).
  2. Taupunkt: τ = 243,12 · ln(e / 6,112) / (17,62 − ln(e / 6,112)). Das ist die Magnus-Formel nach der Temperatur umgestellt.
  3. Luftfeuchte direkt an der Wand: e / E(Wandtemperatur) · 100.

Warum der dritte Schritt funktioniert: Die Luft, die an der kalten Wand entlangstreicht, kühlt ab, behält aber ihr Wasser. Der Dampfdruck bleibt also gleich, nur der Sättigungswert sinkt mit der Temperatur. Damit steigt die relative Feuchte. Erreicht sie 100 Prozent, ist die Wand genau auf dem Taupunkt und es bildet sich Tauwasser. Die Grenze „kritisch unter“ ist die Wandtemperatur, bei der die Feuchte dort 70 Prozent erreicht.

Zur Kontrolle: Bei 20 Grad und 50 Prozent liefert der Rechner einen Taupunkt von 9,3 Grad. Die Dampfdrucktabelle derselben Anleitung ergibt, linear zwischen 8 und 10 Grad interpoliert, 9,25 Grad.

Raum 20 °C, LuftfeuchteTaupunkt80 % an der Wand unter70 % an der Wand unter
40 %6,0 °C9,3 °C11,3 °C
50 %9,3 °C12,6 °C14,7 °C
60 %12,0 °C15,4 °C17,5 °C
70 %14,4 °C17,9 °C20,0 °C

Was der Taupunkt ist

Der Deutsche Wetterdienst definiert den Taupunkt als die Temperatur, auf die Luft bei gleichem Druck abkühlen muss, bis sie mit Wasserdampf gesättigt ist. Kälter geht nicht, ohne dass Wasser ausfällt. Wie stark das von der Temperatur abhängt, zeigt eine Zahl der Verbraucherzentrale: Ein Kubikmeter Luft nimmt bei 0 Grad höchstens knapp 5 Gramm Wasser auf, bei 20 Grad gut 17 Gramm. Warme Raumluft, die an einer kalten Fläche abkühlt, muss also Wasser abgeben.

Warum kalte Außenwände, Ecken und Fensterlaibungen kritisch sind

Der Taupunkt im Raum sagt allein wenig. Entscheidend ist, wie kalt die kälteste Stelle ist. Laut Verbraucherzentrale sind schlecht gedämmte Bauteile besonders gefährdet, weil sie bei niedrigen Außentemperaturen stärker auskühlen. Dazu kommen Wärmebrücken wie Fensterlaibungen, Rollladenkästen und Zimmer an Außenecken des Gebäudes. co2online nennt anhaltendes Tauwasser als typisches Zeichen für eine Wärmebrücke.

Das Umweltbundesamt zählt Außenwände, Raumecken und die Bereiche hinter und unter dem Bett sowie hinter massiven Möbeln zu den häufig befallenen Stellen. Die Verbraucherzentrale nennt dazu schlecht belüftete und beheizte Stellen an der Wand und rät, Möbel nicht vor kalte Außenwände zu stellen. Auch ein dauerhaft gekipptes Fenster kann laut Umweltbundesamt die Wand am Fenster rasch auskühlen, was zu Schimmel durch Kondenswasser führen kann.

Für Schimmel muss die Wand nicht tropfnass sein. Die Verbraucherzentrale schreibt, dass Schimmelpilze schon ab etwa 70 bis 80 Prozent relativer Luftfeuchte direkt vor der Wand wachsen können. Ihr Rat: verhindern, dass die Feuchte an kalten Flächen über 70 Prozent steigt. Deshalb zeigt der Rechner diese Grenze eigens an.

Was hilft: heizen und lüften

Du hast zwei Hebel: die Wand wärmer halten und weniger Wasser in der Luft haben.

  • Alle Räume moderat heizen. Die Verbraucherzentrale rät, in der Heizperiode alle Wohn- und Schlafräume tagsüber auf mindestens 16 bis 18 Grad zu heizen. Mehr als 5 Grad Unterschied zwischen Räumen können schnell zum Schimmelproblem werden. Mehr dazu unter Richtig heizen.
  • Türen zu kühleren Räumen schließen. Räume, die du kühler hältst, sollen laut Umweltbundesamt durch geschlossene Türen von wärmeren getrennt sein.
  • Stoßlüften. Zeigt ein Messgerät direkt an der Wand mehr als 80 Prozent, sollst du laut Umweltbundesamt als Sofortmaßnahme mehrmals täglich kurz stoßlüften. Wie lange je nach Jahreszeit, steht unter Richtig lüften.
  • Luftfeuchte im Blick behalten. Das Umweltbundesamt empfiehlt 40 bis 60 Prozent in der Raumluft. Die Richtwerte erklärt der Artikel Luftfeuchtigkeit in der Wohnung.
  • Möbel von Außenwänden abrücken. Die Verbraucherzentrale nennt für schlecht gedämmte Häuser etwa 10 Zentimeter, der Deutsche Mieterbund hält 2 bis 4 Zentimeter für ausreichend.

Das schont auch den Geldbeutel: Ein über längere Zeit gekipptes Fenster erhöht laut Umweltbundesamt den Energieverbrauch und die Heizkosten drastisch, kurzes Stoßlüften nicht. Und wenn der Rechner zeigt, dass deine Wand weit über der 70-Prozent-Grenze liegt, musst du nicht auf Verdacht höher heizen.

Wie du die Wandtemperatur misst

co2online beschreibt Thermodetektoren: Handgeräte, die aus Oberflächentemperatur der Wand, Raumtemperatur und Luftfeuchte ermitteln, wo Schimmelgefahr besteht. Neu kosten sie laut co2online um die 120 Euro, gebraucht weniger. Wärmebildkameras zeigen Wärmebrücken flächig an. Ohne Gerät hilft laut co2online schon, die Hand an die verdächtige Stelle zu halten: Der Unterschied ist oft deutlich spürbar. Miss an einem kalten Tag, an der kältesten Stelle, etwa in der Ecke hinter dem Schrank oder in der Fensterlaibung.

Wenn die Wand nass wird: was du als Mieter tun solltest

Zeigt sich Tauwasser oder Schimmel, obwohl du normal heizt und lüftest, kann ein baulicher Mangel wie eine Wärmebrücke dahinterstecken. Einen Mangel musst du dem Vermieter unverzüglich anzeigen (§ 536c BGB), sonst riskierst du eigene Ansprüche. Die Verbraucherzentrale rät, Schimmel schnellstmöglich schriftlich zu melden. Der Deutsche Mieterbund sieht Schimmel als Mangel der Mietsache, den der Vermieter beseitigen muss, es sei denn, falsches Heizen oder Lüften hat ihn verursacht. Wer verantwortlich ist, entscheidet sich im Einzelfall. Notiere deshalb Raumtemperatur, Luftfeuchte und Wandtemperatur mit Datum. Was bei Befall zu tun ist, erklärt der Artikel Schimmel in der Wohnung. Bevor du die Miete kürzt, lass dich beim örtlichen Mieterverein oder der Verbraucherzentrale beraten.

Quellen

  1. Goethe-Universität Frankfurt, Physikalisches Institut: Versuch T5 Hygrometrie (Magnus-Formel, Dampfdrucktabelle)
  2. Deutscher Wetterdienst: Wetterlexikon, Taupunkt
  3. Verbraucherzentrale: Heizen und Lüften, so geht's richtig
  4. Verbraucherzentrale Energieberatung: Gesundes Raumklima
  5. Verbraucherzentrale: Schimmel in der Wohnung
  6. Umweltbundesamt: Richtiges Lüften beugt Schimmel vor
  7. Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung
  8. co2online: Wärmebrücken
  9. co2online: Haus selbst dämmen (Thermodetektor)
  10. Deutscher Mieterbund: Richtig heizen, richtig lüften
  11. § 536c BGB